AltGroßmeister Arnulfo Mongcal

Arnulfo Mongcal wurde am 24.09.1924 in Kabanklan auf der philippinischen Insel Negros geboren. Er war der zweite Sohn von Hilario und Agripina Lanquin- Mongcal.

Mongcal hatte noch sechs Brüder und Schwestern. Arnulfo Mongcal war der einzigste aus seiner Familie der Arnis beherrschte und praktizierte. In sehr jungen Jahren war er aktiver Ringer. Sein Interesse für diesen Sport ist zurückzuführen auf seinen Vater, der Profi Ringer war. Mongcal hat in seiner Kindheit oft Rangeleien mit Klassenkameraden oder seinen älteren Brüdern, was ihm den Ruf einbrachte ein „aufbrausendes“ Kind zu sein. Obwohl sein Vater zuerst nicht begeistert war das sein Sohn Ringen lernen wollte, weil er dachte Mongcal würde dies nur nutzen um Altersgenossen zu drangsalieren, stimmte er schließlich seinem großen Wunsch zu.

Die Zeit in Cebu mit GM Bacon

Im Alter von zwölf, nachdem seine Mutter gestorben war, kam er nach Cebu. Er begab sich in die Obhut seines Onkels, dem jüngeren Bruder seiner Mutter, dessen Familie eine Farm hatte. Sein Onkel hieß Leonardo „Adot“ Lanquin, ein professioneller Arnis Lehrer, der Mongcal seine ersten Techniken im Arnis beibrachte. Im Gegenzug musste Mongcal für ihn auf der Farm arbeiten und im Haushalt helfen. In diesem Zeitraum konnte er dank seines Onkels zur Schule gehen, weil dieser sein Schulgeld bezahlte. Er trainierte fast vier Jahre bei Adot, der ihm im „Largo-Mano-Stil“  unterrichtete.

Nachdem Mongcal eines Tages eine Antiquität seines Onkel versehentlich zerstörte, verließ er dessen Haus überstürzt, aus Angst vor der Reaktion seiner Tante, die wegen ihrer spanischen Abstammung recht temperamentvoll sein konnte. Von diesem Zeitpunkt an schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, unter anderem als Reinigungskraft.

Während der Zeit in Cebu bekam Mongcal das Angebot, als Wachmann im Verladehafen zu arbeiten, was sich als ein ausgesprochen harter Job herausstellte. Seine Aufgabe war es bestimmte Waren nicht in auf das Hafengelände zu lassen.
Eine Gruppe von 18 Mitarbeitern reagierte eines Tages verärgert als Mongcal sie nicht passieren lies Sie hatten Waren bei sich die sie nicht ausführen durften. Am darauf folgenden Tag lauerten Sie Mongcal in der Dämmerung auf, völlig überrascht und unvorbereitet von dem Hinterhalt ergriff er die Flucht. Daraufhin bereitete er sich drei Tage intensiv vor und schnappte sich 12 der 18.

Mongcal trainierte das Arnis allein weiter bis er die Canete Brüder traf, welche Verwandte seiner Frau waren. Von diesem Zeitpunkt an trainierte er mit ihnen.

In den mittleren 1940er Jahren traf er das erste mal den legendären GM Venancio „Ancoing“ Bacon in einem Klub. Bacon war ein sehr schneller, effizienter Kämpfer und der Gründer des Balintawak. Mongcals  allererster Eindruck war dass Bacon wegen seiner Größe nicht gut sein könnte. Seine Ansicht änderte sich schnell als er Bacon das erste mal in Action sah. So wurde er nicht nur dessen Schüler, sondern mit der Zeit auch einer des besten Schüler Bacons.

Nach einer Weile, bekam er durch einen Verwandten eine Arbeit am Hafen von Cebu, als Hafenarbeiter. Weil er als einfacher Arbeiter sehr wenig verdiente, besserte er sein Einkommen als Arnis Lehrer auf. Zur gleichen Zeit bildete er sich auf der Universität von Visaya, weiter, wo er schließlich auch einen Abschluß machte.

Er wohnte mit Teodula Magbulutong, die am College war, bei deren Tante. Zwischen Mongcal und Teodula entstand eine starke Freundschaft, und er entschied sich Teodula von nun an auch finanziell zu unterstützen. Teodula schloß ihre Ausbildung zur Lehrerin erfolgreich ab und heiratete Mongcal.

Bacon lehrte Mongcal einen Stockstil wie den „short cut“ Stil und den „break of style“. Diese Stilistik beinhaltet tödliche Schläge („fatal blows“) auf Nerven und alle Methoden und Techniken die als Ziel die oberen Gliedmaßen sowie auch den Kopf („palm to head“) hatten. Bacon lehrte Mongcal auch „Punta y Daga“ (besser bekannt als Espada y Dagga), d.h. den Kampf mit Messer und Stock. Mongcal war ein sehr aufmerksamer Schüler, er kam jedoch nach seinem Training unter Bacon oft mit blauen Flecke und bluttriefenden Wunden nach Hause, was seine Frau sehr beunruhigte. Im Gespräch mit Bacon erwiderte dieser auf ihre Befürchtungen, dass diese Verletzungen nötig seien, um Mongcal die Effektivität der Techniken zu demonstrieren. Venancio Bacon sagte des weiteren über Arnulfo Mongcal, das dieser schnell lerne und er ihn als seine „goldene Hand“ betrachte. Neben dem Sparring mit Bacon waren auch andere Schüler Bacons, wie z.B. Timoteo Maranga, Delfin Lopez und Villasin,  Sparringpartner von Arnulfo Mongcal (mehr dazu, s. Historie des Stils). Darüber hinaus kämpfte und trainierte er auch andere gute Kämpfern aus Cebu.

Mongcal entwickelte sich ständig weiter und verbesserte sein Arnis und sein Wissen um sein persönliches Konzept des Arnis zu entwickeln. Eine Besonderheit dieses Stiles/Konzepts ist die Anwort auf einen einzelnen Schlag des Gegners mit einer Schlagserie von drei bis vier Schlägen. Das Sparring diente Mongcal zum Studium der Stilistiken seiner Gegner und die daraus resultierende Verfeinerung und Verbesserung seines eigenen Stils.

Umzug nach Cagayan de Oro

Im Jahr 1962 zogen Mongcal und seine Familie nach Cagayan de Oro, wo er bei der philippinischen Packing Corporation (PPC) eine Arbeit als Sicherheitsmann antrat. Dort unterrichtete er zwölf seiner Mitarbeiter sowie einige Mitglieder der Führungsetage auf freiwilliger Basis. Eines Nachmittags wurde er von 28 Mitarbeitern aus den Nachbarstädten Agusan, Baloy und Talon angegriffen. Der Angriff beruhte auf der Tatsache, das Mongcal aufgrund seines Engagements von seinen Chefs eine Spezialbehandlung zu gute kam. Er versuchte, zusammen mit Teodulfo Dorado (ein Mitarbeiter bei PPC, erfahrener Combat Judoka) den Streit zu schlichten. An diesem Nachmittag erwischten sie ihn ohne Kampfwerkzeug. Doch Mongcal benutzte seinen Gürtel und ein Stück Holz um sich zu verteidigen. Der Kämpf verursachte solch eine Aufregung, das selbst der „barangay official“, Ramon Jabar, darauf aufmerksam wurde und diesen letztendlich beendete. Mongcals Frau, die den Kampf aus weiter Ferne beobachten konnte war aufgrund der Fähigkeiten ihres Mannes nicht beunruhigt.

1968 wurde Mongcal gekündigt, weil er beschuldigt wurde einen Arbeiterbund gegründet zu haben („ALU“). Dies entsprach nicht der Wahrheit, weil die wahren Anführer aus Cebu waren. Als er ein paar Monate arbeitslos war unterrichtete er weiter Arnis. Sein derzeitiger Schüler war Puro Valez, der Mongcal auch Governeur Concordio Diel vorstellte. Mongcal wurde dessen Bodyguard. Diel schickte Mongcal auch u.a. Manila um Fotografie zu lernen und sein offizieller Fotograf zu werden. In dieser Zeit unterrichte Arnulfo in verschiedenene Seminaren die philippinische Armee. Als Diel als Gouverneur abdanken mußte wurde er Bürgermeister und Mongcal ging mit ihm nach Puerto Market und wurde dessen Chef Sicherheitsmann.

Master Award der Naraphil

1979 nahm Mongcal in Manila bei den nationalen Arnis Wettkämpfen in Manila teil. Er kämpfte zweimal unentschieden und gewann den dritten Kampf. Er wurde zweiter hinter dem nationalen Sieger Ciriaco „Cacoy“ Canete. Er verweilte eine Woche in Manila und bekam, wie jeder Teilnehmer, 100 Pesos Taschengeld für jeden Tag von Präsident Marcos.

1982 bekam Mongcal eine Auszeichnung von „Doce Pares Phils.“ und  „Der Nationalen Arnis Vereinigung („Naraphil.“)“. Die Auszeichnung nannte sich „Master Award of Appreciation“ und war unterschrieben von Eulogio Canete, dem President der Doce Pares, und von General Fabian Ver, dem President der Naraphil. Die Auszeichnung ehrte Mongcals Einsatz, seinen unermüdlichen und selbstlosen Anstrengungen bei der Wiederbelebung, Förderung und weiteren Entwicklung des „Filipino Martial Arts of Arnis“. Für Mongcal war diese Auszeichnung eine große Ehre.

Zu den Schülern von Mongcal zählt unter anderem auch Remy Presas, der Gründer des Modern Arnis. Remy Presas lernte bei Mongcal die Grundschule seiner Stilistik. Die beiden trennten sich nach nur kurzer Lehrdauer im Einvernehmen und Remy Presas dankte Mongcal für das erlernte.

Der bedeutenste Schüler und alleiniger Stilerbe von Arnulfo Mongcal ist aber der deutsche Toni Veeck. Nur an ihn gab Mongcal sein gesamtes Wissen weiter und verlieh Toni Veeck im Jahr 1993 den Titel Großmeister. Im gleichen Jahr entstand auf Wunsch von Arnulfo Mongcal das NECOPA (New Concept of Philippine Arnis). Das NECOPA stellt die Balintawak Stilrichtung von Arnulfo Mongcal dar (mehr dazu im Beitrag „Toni Veeck“).

Arnulfo Mongcal hat seine Schüler immer dazu ermutigt die gelernte Techniken weiter zu erforschen und entwickeln um seine Lehre und die von Venancio Bacon fortzusetzen. Mongcal trug durch seine Lehre und sein einzigartiges Können unmittelbar zur Entwicklung und Verbreitung des Arnis, insbesondere der Balintawak-Stilistik, bei. Am 15.05.2005 verstarb er im Alter von 80 Jahren. Toni Veeck begleitete Mongcal in seinen letzten Stunden und hielt an der Trauerfeier eine Rede, die ihm Respekt und Ehre erwies. Altgroßmeister Arnulfo Mongcal bleibt uns als ein wahrer Kämpfer und einzigartiger Lehrmeister in Erinnerung.

Quellen:

Die Informationen in diesem Artikel stammen von GM Arnulfo Mongcal und GM Toni Veeck.